Bild von dem Gesicht einer Frau

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Kriegsvergewaltigungen

Vergewaltigungen im Zweiten Weltkrieg

Opfer, Täter und Verleugnung

Die im Zweiten Weltkrieg misshandelten und vergewaltigten Frauen haben weder in den von den Nazis überfallenen Ländern noch in Deutschland Hilfe, Verständnis, eine angemessene Entschädigung oder gesellschaftliche Anerkennung als Kriegsopfer erhalten. Es ist ein Skandal, dass erstmals 1994 die posttraumatische Belastungsstörung einer Überlebenden im Sinne des Kriegsopferentschädigungsgesetzes anerkannt wurde.

1995 rückte der Film von Barbara Johr und Helge Sanders "BeFreier und Befreite“ sowie das gleichnamige Buch diese Problematik erstmals ins Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit. Etwa zeitgleich berichteten die Medien über systematische Kriegsvergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien. Die teilweise sensationslüsterne Berichterstattung erzeugte zwar zunächst eine Welle der Empörung und spontaner Spendenfreudigkeit, die heute aber weitgehend erloschen ist. Eine Auswirkung der intensiveren Auseinandersetzung mit dem Thema Kriegsvergewaltigung und sexualisierte Folter war, dass auch viele der im Zweiten Weltkrieg traumatisierten Frauen begannen, über die erlittenen Vergewaltigungen zu sprechen – häufig zum ersten Mal.

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es kein gesellschaftliches Klima für Reue und Auseinandersetzung. Die fehlende gesellschaftliche Diskussion hat die betroffenen Frauen und häufig auch deren durch Vergewaltigung gezeugte Kinder isoliert, d. h. die Opfer ausgegrenzt und unsichtbar gemacht, um die Täter vor einer Konfrontation mit ihren eigenen Verbrechen und deren Folgen zu schützen. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang auch, dass kriegsheimgekehrte Ehemänner auf die Vergewaltigung "ihrer“ Frau häufig mit Wut, Vorwürfen, Verachtung und erneuten Vergewaltigungen reagierten, anstatt mit Trost und Mitgefühl. Die meisten Frauen zogen aus der kollektiven Erfahrung heraus die Konsequenz, besser nichts zu sagen, um sich und ihre Männer, Väter, Söhne und Brüder zu schonen. Denn die meisten Männer wollten sich das Bild des sauberen, pflichtbewussten, treuen und allenfalls "verführten“ Soldaten erhalten.

Wären die kriegsvergewaltigten Frauen so wie die aktiv kämpfenden Soldaten entschädigt worden, hätte das allein in Deutschland 1,5 Billionen DM gekostet, wobei das Wort Entschädigung in diesem Kontext irreführend ist, da es bei Vergewaltigung nicht um Entschädigung, sondern allenfalls um Anerkennung als Opfer geht.

Stellt sich die Frage nach den Tätern, so wurde und wird in Deutschland gerne von "dem Russen“, "dem Franzosen“ oder "dem Amerikaner“ gesprochen, der Frauen vergewaltigte, wenngleich eindeutig belegt ist, dass gerade und in einem erheblichen Umfang deutsche Wehrmachtssoldaten, Angehörige von SS und SA sowie der Polizeibataillone Mädchen und Frauen vergewaltigten und ermordeten. Somit waren die Täter auch die Männer, Brüder, Söhne und Freunde der deutschen Opfer, die aber offensichtlich nicht über ihre Verbrechen gesprochen haben. Auskünfte geben in diesem Zusammenhang die vielfältigen psychosomatischen Erkrankungen, Berichte von Militärseelsorgern und Beichtvätern, die von den Gewalttaten vielfach erst auf dem Sterbebett der Täter zu hören bekommen. Die Historikerin Barbara Johr beschrieb im Rahmen der Recherchen für den Film "Befreier und Befreite“:

"Vergewaltigungen durch SS-Männer kamen so oft vor, dass sich die Wehrmachtsführung darüber im Führerhauptquartier beklagte. Auch Wehrmachtssoldaten vergewaltigten, wie Gerichtsakten belegen. Um die Ausbreitung von Geschlechtskrankheiten bei den Soldaten unter Kontrolle zu halten, wurden darüber hinaus Wehrmachtsbordelle (etwa 55 im Laufe des Krieges) und SS-Offiziersbordelle geschaffen, in denen hunderte vor allem polnischer und russischer Mädchen und Frauen zur Prostitution gezwungen wurden (Jüdinnen waren offiziell ab März 1942 für Wehrmachtsbordelle nicht mehr zugelassen). Partisaninnen, die man gefangennahm, wurde die Inschrift "Hure für Hitlers Truppe“ eintätowiert und sie wurden entsprechend behandelt. Zwangsprostitution und Vergewaltigung gehörten außerdem zum Alltag im KZ, Opfer von Nötigung und Vergewaltigung waren überwiegend weibliche Häftlinge. Sie wurden vor allem auch zur Prostitution in Häftlingsbordellen gezwungen. Dass von deutschen Eroberern systematisch vergewaltigt wurde, belegen unter anderem Dokumente, die 1946 bei den Nürnberger Prozessen vorgelegt wurden.“