Bild von dem Gesicht einer Frau

Informationen Kriegsvergewaltigung

Kriegsvergewaltigungen

Kriegsvergewaltigungen

Sexualisierte Gewalttaten gegen Mädchen und Frauen innerhalb bewaffneter Auseinandersetzungen sind schon aus der Antike bekannt und werden bis heute unvermindert als Kriegswaffe eingesetzt.

Vergewaltigungen als elementarer Bestandteil kriegerischer Auseinandersetzung

Bereits 1975 wies Susan Brownmiller in ihrem Standardwerk "Gegen unseren Willen“ präzise nach, dass Vergewaltigungen elementare Bestandteile jeder kriegerischen Auseinandersetzung sind, in der Regel keines Befehls bedürfen, aber als systematische Waffe gegen den jeweiligen Gegner eingesetzt werden. Wo Männer Terrain erobern, besetzen sie auch die Körper von Frauen. Während in Friedenszeiten die Vergewaltigung die Frau demütigen und zerstören soll, gewinnen Vergewaltigungen in Kriegszeiten darüber hinaus die Funktion, das Wir-Gefühl der feindlichen Gruppe zu zerstören. Dass Massenvergewaltigungen als systematische Waffe eingesetzt werden, belegen die brutalen Gewalttaten an Mädchen und Frauen z. B. im ehemaligen Jugoslawien. Massenvergewaltigungen sind hier zum Bestandteil der Kriegsstrategie geworden.

Besonders von militärischer Seite wird immer wieder betont, Vergewaltigungen seien ein "bedauerliches Nebenprodukt“ von Kriegen.

Dagegen sprechen Statistiken: Die vorsichtigen Schätzungen von HistorikerInnen im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg gehen von mindestens 2 Millionen Vergewaltigungen allein auf deutschem Territorium aus – davon etwa 240.000 unmittelbar mit Todesfolge für die Mädchen und Frauen. Gleichsam wird die Anzahl von Vergewaltigungen durch deutsche Soldaten auf russischem Boden auf etwa 10 Millionen geschätzt. Die Vergewaltigungen im ehemaligen Jugoslawien, in Indonesien, Ruanda oder im Kosovo sprechen für sich. Angesichts der Zahlen von Kriegsvergewaltigungen ist es absurd, Kriegsvergewaltigungen als "bedauerliches Nebenprodukt“ von Kriegen zu bezeichnen.

Vergewaltigungen im Krieg haben eine Funktion.

Barbara Johr stellt fest, dass sich in den häufigen Verstümmelungen der Frauen während und nach den Vergewaltigungen ein genereller Frauenhass zeigt, der auch in Friedenszeiten Bestandteil der Kulturen/ Gesellschaften ist und in Kriegszeiten extrem zum Vorschein kommt. Zudem wird mit der seelischen und körperlichen Zerstörung von Frauen durch sexualisierte Gewalt die soziale und kulturelle Stabilität des Gegners zerstört, da edie Frauen sind, die sowohl in Friedenszeiten und erst recht in Kriegszeiten die Gemeinschaft zusammenhalten.

Schwangerschaft nach einer Vergewaltigung

Werden die Frauen durch die Kriegsvergewaltigungen schwanger, wird nicht nur die Gegenwart einer Gemeinschaft zerstört, sondern auch ihre Zukunft erzeugt, mit einer Generation von durch Vergewaltigung gezeugten Kindern und schwer traumatisierten Frauen.

Überleben Frauen und Mädchen die meist ausgesprochen brutalen Vergewaltigungen im Krieg,

so überschatten die Folgen ihr Leben meist nachhaltig, oftmals über das ganze Leben hinweg. Die Auswirkungen werden zutreffend mit denen von Folteropfern und KZ-Gefangenen verglichen und nach den statistischen Manualen psychischer Störungen (DSM, ICD) klassifiziert. Viele Opfer von Kriegsvergewaltigungen leiden unter einer Posttraumatischen Belastungsstörung. Damit verbunden sind z. B. wiederkehrende und belastende eindringliche Erinnerungen, Gedanken, Wahrnehmungen und Träume, körperliche und psychische Belastungen bei der Konfrontation mit Reizen, die an die Vergewaltigung erinnern sowie Flashback-Episoden. Dabei versuchen die Opfer häufig, Gedanken, Gefühle oder Gespräche, die mit dem Trauma in Verbindung stehen, zu vermeiden wie auch Aktivitäten, Orte oder Menschen, die Erinnerungen daran wachrufen könnten. Das bedeutet häufig eine drastische Lebenseinschränkung. Viele Opfer fühlen sich von anderen Menschen entfremdet, haben das Gefühl einer eingeschränkten Zukunft und zeigen eine eingeschränkte Bandbreite des Affekts. Hinzu kommen häufig Schlafstörungen, Konzentrationsschwierigkeiten, übermäßige Wachsamkeit und Schreckhaftigkeit. Auch depressive Störungen, Sucht und Abhängigkeit, Persönlichkeitsveränderungen und dissoziative Störungen können Folgen von Kriegsvergewaltigungen sein.

Rückblick auf Erlebtes

Vergleichende Studien analysieren, dass gerade erst im Älterwerden und somit auch in Erwartung des eigenen Todes ein Rückblick auf Erlebtes sowie auf z. T. abgespaltene Traumata realisiert wird. In diesem Zusammenhang benötigen neben den Vergewaltigungsopfern aus jüngsten Kriegen insbesondere auch Vergewaltigungsopfer aus dem Zweiten Weltkrieg Unterstützung (siehe auch Gewalt im Leben von Seniorinnen).