Bild von dem Gesicht einer Frau

sexuelle Übergriffe/ Machtmissbrauch

Sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch in Therapie und Beratung

Missbrauch in der Therapie oder in der Beratung

Ein Missbrauch in der Therapie oder in der Beratung bedeutet eine Verletzung dieser Grundsätze seitens des Therapeuten oder Beraters und ein Ausnutzen des Machtungleichgewichtes in der therapeutischen Beziehung: Eine Klientin sucht die professionelle Hilfe eines Therapeuten, da es in ihrem Leben Probleme gibt, die sie klären und lösen möchte. Hat sie das für eine erfolgreiche Therapie notwendige Vertrauen gefasst, teilt sie ihm ihre innersten Gefühle, Gedanken und Erlebnisse mit und ist bereit, sich klein, schwach, abhängig und verwundbar zu zeigen. Sie setzt Schutzmechanismen außer Kraft, und es entsteht ein einseitiges Abhängigkeitsverhältnis, in dem die Klientin manipulierbar und für ihr Handeln in der Therapie nur bedingt verantwortlich ist.

In dieser Situation sind verschiedene Formen des Machtmissbrauches möglich, die häufig gleichzeitig stattfinden. Allen gemeinsam ist, dass die Abhängigkeit der Klientin durch den Therapeuten benutzt wird, um seine eigenen Bedürfnisse zu befriedigen oder in den Vordergrund zu stellen, so dass die Therapieziele und Entwicklungsprozesse der Klientin gefährdet und verraten werden.

Für jeglichen Machtmissbrauch in der Therapie trägt der Therapeut allein die Verantwortung. Es ist nicht entscheidend, ob er mit oder ohne Zustimmung der Klientin handelt.

Zur therapeutischen Beziehung

Eine gute therapeutische Beziehung ist Voraussetzung für eine erfolgreiche Therapie und muss sich zwangsläufig von anderen zwischenmenschlichen Beziehungen unterscheiden: Die therapeutische Beziehung ist ein Arbeitsbündnis. TherapeutInnen verpflichten sich, Hilfesuchende mit ihrer Fachkenntnis und Kompetenz darin zu unterstützen, ihre Probleme zu bewältigen und ihre Lebensqualität zu verbessern. Sie verpflichten sich darüber hinaus, materielle Interessen, die über ihre Bezahlung hinausgehen sowie eigene Wünsche und Bedürfnisse in der Therapie zurückzustellen, die Würde ihrer KlientInnen zu achten und ihre Gesundheit zu schützen. Dasselbe gilt für Beratungssituationen.

Ausmaß

Missbrauch in Therapien und Beratungen ist keine Seltenheit: Verschiedene Untersuchungen zum sexuellen Missbrauch in Therapien kommen im Durchschnitt zu dem Ergebnis, dass etwa 10% der TherapeutInnen zumindest einmal in ihrer Berufslaufbahn sexuelle Kontakte mit KlientInnen haben. Schätzungen der Dunkelziffer liegen bei 20% bis 30%. Zudem weisen die Studien übereinstimmend darauf hin, dass sexueller Missbrauch in Therapien in großer Mehrzahl durch zumeist gut ausgebildete, erfahrene männliche Therapeuten als Wiederholungstat an Mädchen und Frauen verübt wird. Missbrauch durch Therapeutinnen ist zwar deutlich seltener, unterscheidet sich aber nicht hinsichtlich des Ausnutzens von Abhängigkeit und der Folgen für die betroffenen Frauen oder Männer.

Trotz bestehender Gefahren eines Missbrauchs in Therapien und Beratungen soll kein generelles Misstrauen gegen Psychotherapien und Beratungen oder gegen männliche Therapeuten geschürt werden: Es gibt sehr viele kompetente und gewissenhafte Therapeutinnen und Therapeuten und Mädchen und Frauen sollten sich ihr Recht auf Therapie nicht durch das Risiko eines Missbrauches nehmen lassen! Information kann helfen, ein Risiko wahrzunehmen und einzuschränken. Sie kann auch helfen, bestehenden Missbrauch zu erkennen und zu beenden oder Möglichkeiten zu finden, gegen missbrauchende Therapeuten vorzugehen.