Häusliche Gewalt
Was ist häusliche Gewalt?
Gewalt in Partnerschaften und Familien wird in überwiegender Mehrzahl durch Männer gegen Frauen ausgeübt. Frauen jeder sozialen Schicht, jeden Alters und jeder Konfession erleben häusliche Gewalt.
Häusliche Gewalt umfasst Drohungen, Beleidigungen, Demütigungen und Erniedrigungen ebenso wie Schläge, Tritte, Vergewaltigungen bis hin zu Mord und Totschlag. Die Gewalt wird in aller Regel über lange Zeiträume wiederholt ausgeübt und hat erhebliche Folgen für Frauen und ihre Kinder im psychischen, körperlichen, ökonomischen und sozialen Bereich. Forschungen und Schätzungen zur Folge ist jede 3. Frau in ihrer Ehe oder Partnerschaft mindestens einmal der Gewalt durch ihren Partner ausgesetzt.
Formen häuslicher Gewalt
Gewalt gegen Frauen findet in der Regel in einem Komplex von Misshandlung, Ausbeutung, Unterdrückung und Kontrolle durch Ehemänner, Partner und andere männliche Personen des nahen sozialen Umfeldes statt. Dazu gehören alle Formen physischer, psychischer und sexueller Misshandlung sowie ökonomisch-finanzielle und soziale Diskriminierung.
Physische Misshandlung/ körperliche Gewalt
Körperliche Gewalt ist die Form von Gewalt, die in der Öffentlichkeit am deutlichsten wahrgenommen wird, wie Ohrfeigen, an den Haaren ziehen, Schlagen, Boxen, Treten, Verbrennungen, Verätzungen, Würgen, Angriffe mit Messern, Gegenständen wie Bierflaschen usw., Beibringen lebensgefährlicher Verletzungen, Mord.
Sexualisierte Gewalt
Häusliche Gewalt ist häufig mit sexuellen Misshandlungen der Frauen verbunden. Dabei wird die sexualisierte Gewalt durch die Öffentlichkeit sehr viel weniger wahrgenommen, als die körperliche Gewalt. Sexualisierte Gewalt ist weniger sichtbar als z. B. Hämatome oder Frakturen. Die Frauen selbst sprechen über die sexualisierte Gewalt noch seltener als über die körperliche Gewalt.
Beispiele für Formen sexualisierter Gewalt im Rahmen häuslicher Gewalt sind:
- sexuelle Erniedrigung,
- Belästigung,
- Zwang zu sexuellen Handlungen und Praktiken,
- vaginale, anale und orale Vergewaltigung,
- Zwang zu sexuellen Handlungen vor anderen (auch vor Kindern),
- Zwang zur Prostitution,
- Zwang zur Teilnahme an oder Beobachtung von pornografischen Handlungen, Videos, Pornohefte ...
Psychische Gewalt
Als besonders gravierend und zerstörerisch erleben die betroffenen Frauen die psychische Gewalt. Neben körperlichen Misshandlungen und sexualisierter Gewalt führt maßgeblich die psychische Gewalt zur Zerstörung des Selbstwertgefühls, zur Zerstörung der psychischen Gesundheit, der eigenen Identität, des Glaubens an eigene Werte, Gefühle und Fähigkeiten. Insbesondere die psychische Gewalt ist vielfach subtil und von Außen nur begrenzt sichtbar.
Beispiele für psychische Gewalt sind:
- verbale Erniedrigung,
- Beleidigungen z. B. über ihr Aussehen,
- Bedrohung,
- Beschuldigungen,
- Äußerungen, dass die Frau z. B. verrückt, labil, psychisch krank sei, dass sie nichts kann, nichts hat und ohne den Mann nichts ist,
- lächerlich machen in der Öffentlichkeit,
- Isolation von Bekannten, Familie und Freunden, ständige Kontrolle ...
Wirtschaftliche/ ökonomische Gewalt
Ökonomische Diskriminierung dient Männern ebenfalls dazu, ihre Macht aufrecht zu erhalten. Geld ist dabei ein Mittel, Frauen in der Beziehung festzuhalten, da sie Angst vor Verarmung und sozialem Abstieg haben.
Ökonomische Gewalt zeigt sich z. B. durch Entzug von Geld und Eigentum, alleinige Verfügung des Mannes über finanzielle Ressourcen, Verhinderung von Berufstätigkeit und Ausbildung der Frau, Verweigerung der Befriedigung von Grundbedürfnissen...
Ein weiterer Gewaltaspekt ist die Zerstörung und Beschädigung von Sachen. Damit demonstrieren die Täter ihre Verfügungsmacht, z. B.: Vernichtung von für die Frau existenziell wichtigen Papieren, Beschädigung, Vernichtung von Dingen, die der Frau wichtig und lieb sind, von Bekleidung ...
Soziale Diskriminierung
Soziale Diskriminierung ist sehr häufig Bestandteil häuslicher Gewalt, z. B. über Beanspruchung jeglicher Entscheidungsmacht durch den Mann, sich bedienen lassen, sie als sexuell verfügbar zu betrachten und zu behandeln, selbst Affären haben, der Frau dies jedoch zu verbieten, Isolation der Frau durch Einsperren, Verbote zu telefonieren und das Haus zu verlassen, Verhinderung des Kontaktes der Frau zu anderen Personen, Verbot der Berufstätigkeit, Aus- und Weiterbildung ... Gerade die mit der sozialen Diskriminierung verbundene Vereinsamung der Frauen kann z. T. erklären, warum die Frauen oftmals über lange Zeiträume in der Gewaltbeziehung verharren und keine Hilfe finden.
Die verschiedenen Gewaltformen stehen nicht separat nebeneinander, sondern greifen ineinander. Meist liegen mehrere Gewaltformen vor. Häusliche Gewalt bedeutet eine komplexe bedrohliche und demütigende Gesamtsituation für die betroffenen Frauen.
